Anti-Marketing (2. Update)

Nörgelnde und unzufriedene Kunden gibt es immer wieder. Mal sind die Preise zu hoch, mal ist der Service zu schlecht, mal hat der Kunde einfach zu hohe Erwartungen an ein Produkt. In der Regel einigen sich beide Seiten auf eine schnelle und unkomplizierte Aufhebung des Vertrages und der Kunde findet anschließend meist sogar wohlwollende Worte über den professionellen Umgang mit Beschwerden.

Serverschleuder Homepage

Nicht so im Falle der Serverschleuder. Thomas Hölscher hat seinen Unmut über die seiner Ansicht nach nicht zufriedenstellende Vertragserfüllung durch Serverschleuder im Web geäußert und fand prompt Drohungen eines der mutmaßlichen Geschäftsführer in seinem Blog wieder.

Selbst wenn man Thomas Hölscher in dem derzeit nicht erreichbaren Blog-Beitrag einen weit schnoddrigeren Ton als im Rest seines Weblogs unterstellt, fällt es schwer zu glauben, dass er die Grenze zur Schmähkritik überschritten hat.

Auffallend ist dagegen das unprofessionelle Auftreten des (vermeintlichen?) Geschäftsführers von Serverschleuder, Michael Heizmann. Dieser droht offen im Blog und per Mail mit Abmahnung und Strafanzeige, wenn der Blog-Beitrag nicht bis zum 28. Januar verschwunden ist. Offenbar soll der Streitwert bei dieser Aktion bei 500.000 Euro liegen.

Selbst wenn es der Firma Serverschleuder gelingen sollte, Thomas Hölscher zur Abgabe einer Unterlassenserklärung zu bewegen oder eine einstweilige Verfügung zu erwirken, ist der angerichtete Schaden für Serverschleuder mittlerweile enorm: die gesamte Bloggosphäre (unter anderem das Lawblog) zerreisst sich das Maul über den unprofessionellen Umgang der Serverschleuder mit ihren (Ex-) Kunden und potentielle Neukunden schauen so aufgescheucht zurecht bei Webhostlist nach der Kundenbeurteilung von Serverschleuder.

Wer günstiges Hosting sucht sollte selbst die Kalkulationen der Provider hinterfragen. Viele der extrem günstigen Angebote funktionieren nur durch Skaleneffekte oder sind sogar bewußt unter den eigenen Kosten kalkuliert, denn ein einmal gewonnener Kunde, der mehr möchte, wechselt lieber in ein teureres Angebot seines Providers als mittels KK-Antrag in ein neues digitales Heim umzuziehen. Provider, die fast ausschließlich extrem billige Hostingpakete anbieten, sollte man sehr kritisch betrachten.

Update:

Michael Heizmann scheint die Bloggosphäre aufmerksam zu beobachten. Er rief mich gegen 14:30 an und bat mich, seine Version der Geschichte anzuhören, was ich auch gerne tat. Offenbar hat man bei Serverschleuder die Notbremse in Sachen schlechter PR gezogen und entschuldigt sich nun für böse Emails und drohende Weblog-Einträge, so schreibt mir Heizmann (Hervorhebungen von mir):

Sehr geehrter Herr Schlenker,

Erst einmal danke für das mit Ihnen geführte Telefonat von eben! Leider ist es nicht gerade mein Stärke große Gegendarstellung zu schreiben und ich hoffe Sie verzeihen mir.

Ich möchte mich bei Herrn Hölscher für die etwas verunglückten Mails etc von mir und meines Kollegen entschuldigen. Es war nicht meine Absicht, diese Diskussion so hoch zu puschen! Ich weiß, dass ich auch Fehler gemacht habe, die man so nicht einfach Rückgängig machen kann aber ich würde Herrn Hölscher gerne um die Entfernung meines Textes auf seiner HP bitten.

Was die Androhung von rechtlichen Schritten angeht so ist dies eher eine Kurzschlussreaktion gewesen die nicht so gemeint war. Leider reagiere ich in manchen Situationen nicht gerade zu meinem Vorteil aber ich hoffe wir können diese Streitigkeiten bei Seite legen.

Das ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, der allerdings — im Interesse beider Parteien — hätte viel früher erfolgen sollen. Denn selbst wenn Thomas Hölscher der Bitte um ein Edit des fraglichen Beitrages nachkommt, hat der fragliche Satz mit der Verbkreation “dolden” schon zu weite Kreise gezogen und ist praktisch nicht mehr zurückzuholen.

Bleibt zu hoffen, dass die Serverschleuder aus diesem PR-Debakel gelernt hat und fortan unzufriedene (Ex-) Kunden gelassener behandelt. Und selbst wenn mal ein Blog-Beitrag die Grenze zwischen Schnoddrigkeit und Schmähung überschreiten sollte, hilft ein souveräner Umgang damit, Professionalität zu beweisen.

2. Update (26. Januar 17:10):

Laut Thomas Hölscher schließt sich auch der zweite Geschäftsführer der Serverschleuder der Entschuldigung seines Kollegen an. Na also: geht doch! Dennoch wäre die in dieses Spektakel verschwendete Zeit sicher besser zur Betreuung der “aktiven” Kunden aufgewendet worden. Wie immer wenn es um “Recht und Internet” geht sind das Lawblog und das Webhostingblog mit von der Partie.

7 thoughts on “Anti-Marketing (2. Update)

  1. Pingback: Mattlog » Blog Archive » Wahr und unwahr…

  2. Unwichtig

    Hallo, es ist soweit,

    ich hatte mehrere Domains bei billig-providern per KK umziehen lassen wollen.

    Bei allen hats reibungslos geklappt… nur bei serverschleuder NICHT.

    Die Geschichte:

    Kurz vor Weihnachten KK ordnugsgemäß geschickt

    Keine Antwort

    immer noch keine Antwort (dachte die Bude ist pleite)

    Weihnachten kam eine Mail mit Seasonsgrüße (Bude doch nicht zu)

    Schrieb weitere Mails -> KEINE ANTWORT (PFUI wie billig)

    Schrieb direkt die Denic an, die gaben mir die Adresse vom wirklichen Hoster (Strato) da serverschleuder nur ein resseller ist.

    Habe die Leute von Strato angeschrieben und die wollten das regeln nach einen schriftlichen Eingang.

    Habe den schriftlichen Eingang getätigt (Fax)

    Es war zuspät …(2 Monate inzwischen durch die ganze email hin und herrereivergangen)

    Die “leute” von serverschleuder hatten meine EIGENE Domain frei gegeben, Die Domain befand sich im Transit-Modus (hat man sie aufgerufen kam die Denic-site in den Browser)

    Wat für eine Frechheit

    Letztendlich nach Schriftverkehr und das übliche ist die Domain jetzt wieder bei mir.

    In der Zeit Zeit ist die Domain auch bei Google verschwunden, ich hätte wirklich Lust diese “leute” anzuzeigen (ob das was bringt?)

    DIE MORAL DER GESCHICHT

    FINGER WEG von diesen “leuten” die sich serveschleuder nennen

    Diesen Beitrag werde ich auf alle Host-Foren posten die es in D gibt,

    sollten die “leute” vom serveschleuder etwas dagegen haben so teile ich den hiermit mit

    dass ich bereit bin die komplette Korrespondenz (emailverkehr) zwischen mir der denic und strato zu posten damit die User

    sehen was selbst deren Pertner von denen halten.

    PS
    @serverschleuder
    alles gute für eure weitere … Entwicklung

  3. Lars

    Als Betreiber eines Preisvergleichs für Webhosting und ehemaliger Mitarbeiter eines großen europäischen Hosters kenne ich mich ein wenig in der Szene aus und kann das im o.g. Beitrag gesagt nur bestätigen: (Eher) Unbekannte Hoster mit sehr verlockenden Angeboten sind wirklich mit Vorsicht zu genießen. Angesichts der in letzter Zeit doch sehr stark gesunkenen Preise für Hosting, Domains oder Server bei großen, bekannten und zuverlässigern Providern wie z.B. 1&1, Strato, T-Online oder Lycos wundere ich mich sowieso, warum so viele Kunden das Risiko eines No-Name Providers eingehen nur um ein paar Cent im Monat zu sparen.
    Das wäre es mir wirklich nicht wert.

    Gruß, Lars

    PS: Die Story mit der “Serverschleuder” ist wirklich preisverdächtig…

  4. Chris

    Wir sehen immer mal wieder – und das ist vor 3 Jahren, als dieser Artikel geschrieben wurde, genauso gewesen wie heute – “Hoster”, die sich eine Gewerbeanmeldung und einen Hetznerserver mit Confixx holen und meinen, das wäre ein Geschäftsmodell. Wer hätte es gedacht – das ist ein Trugschluß.

    Meiner Meinung nach liefert die WebHostList hier wertvolle Hinweise – wer dort nicht als Geprüfter/Premium Provider gelistet ist, der sollte erstmal mit Vorsicht genossen werden.

Comments are closed.