Linux zum Abgewöhnen

Die letzten Tage hatte ich einen weissen Asus EeePC für einen Artikel (Test, Modding, Installation anderer Distributionen), der in etwa zwei Wochen in der Zeitschrift linuxlife erscheinen wird. Das Testgerät mit US-Tastatur ist auf dem Weg zurück in die Redaktion in München und weil weitere Zeitschriften Workshops zum EeePC geordert haben, steht neben mir noch ein schwarzes, noch originalverpacktes.

Aus der Sicht “normaler” Anwender ist das EeePC — konkret: seine Softwareauswahl — eine Katastrophe: Das vorinstallierte Xandros bringt viele, kaum auf den kleinen Bildschirm abgestimmte KDE-Anwendungen mit, es fehlen schnelle grafische Zugriffsmöglichkeiten auf — via Kommandozeile erreichbare — Funktionen wie Bluetooth und wenn man schon Firefox als Browser verwenden muss (Gecko ist keine schlechte Wahl), dann wären Erweiterungen für den echten Vollbildmodus etwas Feines gewesen. Angesichts der durchdachten Hardware (drei USB-Ports, WLAN, SD-Slot, echter VGA-Anschluss) kann ich nachvollziehen, dass Nicht-Linuxer wie Udo Vetter recht schnell das Xandros durch ein XP ersetzt haben oder es planen und nun glücklich sind.

Etwas besser macht es übrigens Everex mit dem gOS, einem Linux auf Basis von Ubuntu. Das ist zwar im Auslieferungszustand auch recht nackig, allerdings sind die Original-Ubuntu-Paketquellen bereits aktiv, so dass bessere Dateimanager etc. schnell nach installiert sind — und sich auch gleich mit einem Eintrag im Startmenü finden lssen. Das “Cloudbook” startet in den USA bei 400$, Geräte auf dem gleichen VIA-Barebone habe ich hier bislang nur ab ~600€ gefunden, es gilt also die Augen offen zu halten.

Nunja, dass Eee ist Realität und so beliebt, dass meinen Auftraggebern nichts anderes übrig bleibt, als sich näher mit dem Gerätchen zu beschäftigen, bzw. mich damit zu beschäftigen. Da diese Auftraggeber meist einen Fokus auf Linux und Open Source haben, ist die XP-Installation dort nicht das erste Mittel. Testweise habe ich deshalb das Eee mal per PXE mit dem Ubuntu 8.04 Installationssystem (Alpha dreieinhalb) gebootet und ein Ubuntu mit xubuntu-desktop installiert. Läuft bis auf WLAN- und Webcam prima, die beiden Stolpersteine werden in den nächsten Tagen in Angriff genommen.

Anyway, die Klientel dieses Blogs dürfte sich eher die Frage stellen, ob das Eee als mobiles Admintool taugt. Meine Antwort darauf ist ein eindeutiges JA. Das Eee lässt sich von USB oder aus dem Netzwerk booten, ein normales BIOS gestattet auch Schweinereien wie den Start von verschlüsselten Partitionen. Dank drei USB-Ports, einem freien Mini-PCI und problemlos auf 1GB erweiterbarem Speicher ist es für Basteleien geeignet (Bluetooth-Dongles, die fast komplett im USB-Port verschwinden gibt es für ~15€). Mit dem kleinen Display dürften bastelwillige Linuxer auch weniger Probleme haben (Matchbox bietet sich an) als Windows-Anwender. Und bei dem Anschaffungspreis von unter 300€ ist auch ein Totalverlust zu verschmerzen — ein verlorenes Flybook tut mehr weh.

8 thoughts on “Linux zum Abgewöhnen

  1. Randy Nel Gupta

    Du hast mir meine drei wichtigsten Fragen zu dem Thema auf Anhieb beantwortet:

    1. PXE-Boot: offensichtlich: JA
    2. Booten aus verschlüsselter Partition: JA
    3. taugt als Admintool: JA

    Offensichtlich ist es für mich eine recht interessante Sache, wenn ich nicht immer mein 1.500 EUR Notebook mit mir rumschleppen muss um irgendwo mal eine Konsole aufzurufen.

    Die entsprechende Sicherheit für meine SSH-Keys und Ovpn-Zertifikate scheint auch zu unterstützen, so dass man sich rein theoretisch damit hinter den Eisernen Vorhang in die USA wagen könnte.

    Viele Dank!

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