Mit dem Linux-Netbook im Netz: GPRS oder UMTS via Bluetooth

Für einen größeren Verlag arbeite ich gerade an einem Artikel über den mobilen Internetzugang mit EeePC und Akoya E1210. Als Arbeitsumgebungen sind Ubuntu 8.04.1 und das Xandros des EeePC vorgesehen. Beide mussten zunächst zeigen, wie gut sie mit Bluetooth-Dongle und einem etwas älteren Nokia-Handy mit BT-Schnittstelle klarkommen. Da Xandros im Auslieferungszustand keinerlei Anstalten machte, Bluetooth einzurichten und das Handy als Modem zu konfigurieren, beschloss ich die Grundkonfiguration auf der Kommandozeile vorzunehmen.

Stellen Sie zunächst sicher, dass die Pakete bluetooth und bluez-utils installiert sind. Daneben sollte je nach Flavour auch bluez-gnome und gnome-bluetooth respektive kdebluetooth installiert sein. Auf dem Xandros des EeePC ist alles notwendige installiert, mein Ubuntu-Image für den EeePC sollte ebenfalls komplett genug sein. Alle Befehle, denen kein sudo vorangestellt ist, benötigen Rootrechte. Auf dem Xandros des EeePC öffnen Sie das Terminal mit Strg+Alt+T, Rootrechte erhalten Sie mit sudo su.

Kontaktaufnahme

Zunächst gilt es, dbus (nur auf dem Xandros des EeePC!) und den Bluetooth-Dienst (neu) zu starten:

/etc/init.d/dbus restart
/etc/init.d/bluetooth restart

Ist das geschehen, zeigt

hciconfig -a

die Daten des eigenen Bluetooth-Adapters und

hcitool scan

die in der Umgebung befindlichen Bluetooth-Geräte an. Die BD-Adressen (sieht aus wie eine MAC-Adresse) Ihres Adapters und des Handys sollten Sie sich notieren.

In der Datei /etc/bluetooth/hcid.conf setzen Sie nun die PIN für Bluetooth-Verbindungen. Unter Xandros ist zusätzlich security auto; einzustellen. Ebenfalls nur unter Xandros ist eine Datei /var/lib/bluetooth/00:00:00:00:00:00/pincodes anzulegen (statt lauter Nullen die BD-Adresse Ihres Dongles), die eine Zeile mit BD-Adresse und fürs Pairing verwendetem Pincode aufnimmt:

00:13:70:00:53:F1 4567

Ist das geschehen, folgt die Konfiguration der virtuellen Modemschnittstelle, die Sie in der Datei /etc/bluetooth/rfcomm.conf vornehmen. Wieder ist die BD-Adresse des Handys einzutragen, der Kanal ist in der Regel “1”:

rfcomm0 {
	bind yes;
	device 00:13:70:00:53:F1;
	channel 1;
	comment "Nokia 6021 als Modem";
}

Nach einem Neustart des Bluetooth-Subsystems ist die erste Verbindungsaufnahme möglich: Wir versuchen einfach vom Handy zu lesen (analog könnten wir mit echo 'ATZ' > ... einen Modem-Init-String schicken):

/etc/init.d/bluetooth stop
/etc/init.d/bluetooth start
cat < /dev/rfcomm0

Die Kontaktaufnahme sollte nun zur Folge haben, dass auf dem Handy nach der PIN für die Verbindung gefragt wird. Unter Xandros geben Sie die in der Datei pincodes festgelegte PIN ein, unter Ubuntu taucht ein kleines Helferfenster auf, in das Sie die gleiche PIN wie auf dem Handy eingeben. Hat die Verbindungsaufnahme funktioniert, brechen Sie das cat mit Strg+C ab.

Ab ins Netz

Für die Internetverbindungsaufnahme benötigen Sie zwei Konfigurationsdateien: Ein Chatscript, welches die Initialisierung des Modems und die Einwahl erledigt und eine Konfiguration für den PPP-Daemon, der anschließend gestartet wird und die Netzwerkverbindung herstellt. Zuerst die PPP-Konfiguration, der Name der Datei sollte nach Verbindungstyp und/oder Provider gewählt werden. Bei mir einfach /etc/ppp/peers/gprs. Außer der Verbindungsgeschwindigkeit muss meist nichts verändert werden:

/dev/rfcomm0 115200
connect '/usr/sbin/chat -v -f /etc/chatscripts/gprs'
noauth
defaultroute
usepeerdns
debug
noipdefault
local
ipcp-accept-local
novj
novjccomp
lcp-echo-failure 10000
lcp-echo-interval 1000

Es folgt das zugehörige Chatscript /etc/chatscripts/gprs. Hier muss der Name des Accesspoints (APN, hier internet.eplus.de für Simyo) und ggf. die Einwahlnummer (manchmal *99*1#) angepasst werden:

TIMEOUT		5
ECHO 		ON
ABORT 		'\nBUSY\r'
ABORT		'\nERROR\r'
ABORT		'\nNO ANSWER\r'
ABORT		'\nNO CARRIER\r'
ABORT		'\nNO DIALTONE\r'
ABORT		'\nRINGING\r\n\r\nRINGING\r'
''		\rAT
TIMEOUT 	15
OK		ATE1
OK		'AT+CGDCONT=1,"IP","internet.eplus.de","",0,0'
OK		ATD*99***1#
CONNECT		""

Nun sollte man ein zweites terminal starten und dort mit tail -f /var/log/messages & tail -f /var/log/syslog die Systemeldungen verfolgen, während man mit

pon gprs

die Verbindung aufbaut. Nach einigen Sekunden sollte das Handy das GPRS- oder 3G-Symbol anzeigen und die Ausgabe von ifconfig ppp0 eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung anzeigen. Ist das der Fall, können Sie nun über die Verbindung zum Handy surfen. Mit

poff gprs

beenden Sie die Verbindung wieder.

Damit auf dem Xandros des EeePC Bluetooth beim Systemstart aktiv ist, erstellen Sie eine Datei /etc/opt/xandros/xandrosncs/hooks/post-up.d/99bluetooth mit dem folgenden Inhalt:

#!/bin/sh
/etc/init.d/dbus restart
/etc/init.d/bluetooth restart

Setzen Sie die Datei mit

chmod 0755 /etc/opt/xandros/xandrosncs/hooks/post-up.d/99bluetooth

auf ausführbar. Künftig genügt auch auf dem Xandros Strg+Alt+T um ein Terminal zu öffnen und dann dort der Befehl sudo pon gprs um die Verbindung aufzubauen.

Und echtes 3G?

Prinzipiell sollte eine UMTS-Verbindung mit dem Mobiltelefon genauso funktionieren. Änderungen ergeben sich höchstens bei Einwahlstring und Accesspoints und in seltenen Fällen muss mit einem zusätzlichen Init-String die Bevorzugung von UMTS auch bei schlechtem Empfang dem Handy mitgeteilt werden.

Etwas anders sieht es mit den zurzeit an Verbreitung gewinnenden "dummen" UMTS-USB-Sticks aus. Ich habe ein solches Gerät derzeit hier und komme damit auch problemlos ins Netz, die Konfiguration werde ich aber in den nächsten Tagen einmal detailliert beschreiben.

Dank an...

13 thoughts on “Mit dem Linux-Netbook im Netz: GPRS oder UMTS via Bluetooth

  1. klaus

    Also man ist ja nie zufrieden, jetzt da der eee so schoen mit handy surft wollt ich das mal komplett testen, was denn so gehen wuerde.

    Ich nutze simyo, vom eee aus kein problem mein heimatnetz zu errechen, ssh ftp alles paletti. Aber in die andere Richtung totale Fehlanzeige. Der eee zeigt mit bspw. mit ifconfig ath0 10.161.111.251 an, die ssh sitzung wird aber von ip 92.117.111.251 aufgebaut. Mit beiden Adressen erreiche ich aber meinen eee nicht wenn er per haendi im netz ist …..

    Nutzen die NAT in ihrem Mobilnetz????

    fragt sisch

    Klaus

  2. klaus deiss

    Ergänzend muss ich noch hinzufügen das das Funktionieren des Gesamtsystems ganz stark abhängt von dem gewählten Bluetooth Stick. Ich bin gestern extra noch in den MM gefahren und habe mir einen Hama Nano zugelegt, weil ich den einfach immer drin stecken lassen wollte (obwohl auch der 6 mm rausguckt, passt aber immer noch in das mitgelieferte Taeschken)

    Leider war das nix, das Pairing hat versagt, und nach einigem Hin und Her (wie Deinstallation aller Bluegeräte im Handy), konnte ich den EEEPC bei AUSGESCHALTETEM WLAN (FN+F2)einmal dazu bewegen sich mit meinem Handy zu paaren.

    Das funktionierte dann auch gestern abend, und heute morgen wollte ich es einer Bekannten (stolz) in einem Cafe vorführen: Doch nein wie peinlich, der Hama wollte mein Handy wieder nicht haben ….. (sie meinte das sie das verstehen könne – sie wolle sich schliesslich auch nicht mit jedem paaren – aber das ist ja auch eine andere Geschichte!)

    Der Stick der bei mir (unter original Xandros) sehr gut funktioniert ist dieser schwarze von ANYCOM 2.0.

    Klaus

  3. Administrator Post author

    Bluetooth und WLAN funken in ein und demselben Frequenzband. Störungen sind dadurch möglich. In der Regel reicht etwas Abstand (wenn man einen Hub dabei hat, den BT-Dongle daran anschließen). Ansonsten WLAN einfach softwareseitig deaktivieren und so dafür sorgen, dass keine ständigen Broadcasts herausgehen — scheint mir unter Ubuntu einfacher als unter Xandros. Fn+F2 ist dafür eigentlich nicht nötig.

    Ansonsten habe ich mit dem Hama Nano kein Problem, jedenfalls wenn das Handy direkt daneben liegt — man muss eh die Verbindungsaufnahme bestätigen, also kann das Telefon nicht in der Tasche bleiben.

  4. klaus deiss

    Hallo,

    Mein w880i hat die Funktion “immer erlauben”, also kann das Handy in der Tasche bleiben. Warum das mit dem HAMA hier Probleme gibt weiss ich auch nicht. Wie bereits im Beitrag zum iPod festgestellt ist diese Art der Beschäftigung mit dem EEEPC/LINUX ja was für Masochisten, werd ichs mir also später noch mal geben …..

    greetz

    klaus

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